Belletristik im Geschichtsunterricht
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Projektbeschreibung
Vom (datum!) bis (datum!) führten wir jeweils vormittags im Rahmen des Seminars (...) ein Unterrichtsprojekt an der Helene Häussler Schule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung durch. An dem Projekt nahm die gesamte Oberstufe teil, ca. 40 Schülerinnen und Schüler, samt den Pädagoginnen und Pädagogen.
In einem Vorbereitungstreffen haben wir den Schülerinnen und Schülern zwei Themen vorgestellt. Anhand zwei szenischer Spiele sollten die Schülerinnen und Schüler einen kurzen Einblick in die Themen „Berliner Mauer“ und „Berlin als Hauptstadt“ erhalten. Anschließend konnten sie mit Klebezetteln an zwei den Themen entsprechenden Plakaten zeigen, welches Thema sie in der Projektwoche behandeln wollten.
Am ersten Projekttag führten wir die Schülerinnen und Schüler noch einmal in das Thema ein. Dazu führten wir das gleiche szenische Spiel wie beim Vorbereitungstreffen noch einmal auf und bauten schließlich auch eine Mauer zwischen die Schülerinnen und Schüler, um ihnen das „getrennt sein“ näher zu bringen. Anschließend teilten wir die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen auf. Die eine Gruppe lernte anhand verschiedener Materialen die Trennung von Ost- und Westberlin kennen. Dafür standen ihnen Arbeitsblätter mit verschiedenen Anforderungsbereichen, sowie Puzzle und Fotos zu Verfügung. Die andere Gruppe unternahm eine Exkursion zur Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße. Dort konnten sie die Höhe der Mauer und die Breite des Grenzstreifens erfahren, sowie versuchen, sich durch Zurufe von beiden Seiten der Mauer verständlich zu machen.
Am zweiten Projekttag haben wir die Gruppen getauscht. Somit schlossen wir den inhaltlichen Schwerpunkt „getrennt werden“ ab. Mit einem neuen szenischen Spiel leiteten wir den Schwerpunkt „leben mit der Mauer“ ein. Wir teilten die Schüler erneut in zwei Gruppen. Eine Gruppe erarbeitete Interviews, um Lehrer und Lehrerinnen ihrer Schule nach ihren Erfahrungen mit dem Getrenntsein durch die Mauer zu befragen. Die andere Gruppe schaute ein Film (ohne Ton) über die Mauer. Gleichzeitig lasen einige Studierende Interviews von Menschen vor, die ihre Erlebnisse mit der Mauer schilderten.
Am dritten Projekttag führte die eine Gruppe die Interviews durch. Die andere Gruppe erlebte in einem szenischen Spiel, bei dem sie selbst mitmachen konnte, die Situation der Grenzkontrolle zwischen Ostberlin und Westberlin. Also Pass-, Personen- und Gepäckkontrollen. Anschließend kamen beide Gruppen wieder zusammen und stellten sich ihre Interviewergebnisse und szenisches Spiel Erlebnisse vor. Der dritte Themenschwerpunkt, „Mauerfall“ wurde wiederum eingeleitet und behandelt mit einem szenischen Spiel, an dem sich alle Schülerinnen und Schüler beteiligten, in dem sie eine aus Kartons quer durch die Aula gebaute Mauer einrissen. Jeder Tag wurde eingeleitet, bzw. beendet mit einem szenischen Spiel, bzw. Fotos aus den Gruppenarbeiten und einem Zeitstrahl, der mit Bildern des Mauerbaus, der Mauer und des Mauerfalls beklebt wurde.
Ein Teil der Schülerinnen und Schüler besuchte uns einige Wochen später noch einmal in der Universität zu einem Auswertungsgespräch. Aus verschiedenen Materialien, die wir im Projekt verwendet haben, konnten alle Anwesenden sich noch einmal einen Gegenstand auswählen und erzählen, was ihnen an den drei Tagen besonders gefallen hat.
Alle Schülerinnen und Schüler bekamen von uns eine Mappe mit ihren Arbeitsmaterialien, Fotos von der Projektarbeit und Fotos der Berliner Mauer, sowie Kopien der Interviewbögen.
Im Folgenden möchten wir anhand der fünf Hauptdimensionen erläutern, welche Inhalte wir für die Durchführung auswählten und welchen Schwierigkeiten wir in der Umsetzung begegnet sind.
Dimensionen
Dimension 1 - Elementare Strukturen
Elementare Sturkturen finden heißt, das Wesentliche, die "Bauelemente", von Bildungsgegenständen aus fachwissenschaftlicher Perspektiver herauszuarbeiten, ohne den ursprünglichen, im Bildungsgegestand angelegten, Sinn zu verfälschen. Leitfrage ist: Wie vereinfache ich, ohne den Sinn zu nehmen, zu verfälschen? (FIXME Quelle von Frau Riegert)
Als elementare Struktur des Bildungsgegenstands 'Berliner Mauer' arbeiteten wir die Aspekte Trennung, das Zweigeteiltsein und das Erleben von Trennung heraus. Es fiel uns schwer zu bestimmen, welche Aspekte die konstitutiven Grundbestandteile des Bildungsgegenstands Berliner Mauer sind. Zum einen stellte sich uns das Problem dass es insbesondere im Fach Geschichte viele verschiedenen fachwissenschaftlichen Perspektiven gibt. Sie ist eine Disziplin, in der die Postmoderne, konstruktivistische multidimensionale Sicht - im Sinne es gibt nicht die eine Wahrheit - auf jedes Thema immer gefordert wird. Zudem wird für die bei der Elementarisierung notwendigen, verlustfreien(FIXME: Wort diskutieren) didaktischen Reduktion eine sehr hohe fachwissenschaftliche Kompetenz benötigt.
Es stellt sich die Frage, wie die richtigen elementaren Strukturen und didaktische Gegenstände für diese gefunden werden und ob die Schülerinnen und Schüler von den Gegenständen - also etwa einer Schnur quer durch den Raum gespannt- auf Trennung bzw. die Berliner Mauer schließen können.
Um die Lehrerinnen und Lehrer in der Praxis von der hohen Anforderung der fachwissenschaftlich fundierten Elementarsierung zu entlasten kam die Idee auf, dass eine Kooperation mit den Fachbereichen in den Universitäten sinnvoll wäre. Diese könnten die Elementarisierung der Curricular vorgegebenen Inhalte vornehmen. Diese könnten in eine Datenbank eingepflegt werden. Die Lehrerinnen oder Lehrer könnten auf diese herausgearbeiteten elementare Strukturen zurückgreifen und sinnvoll im Unterricht umzusetzen. Damit wäre den Lehrenden die Last und der Zeitaufwand der Beantwortung der Frage "Wie vereinfache ich, ohne den Sinn zu nehmen, zu verfälschen?" (Riegert, 2008) genommen.
Dimension 2 - Elementare lebensleitende Grundannahmen
In der Dimension Elementare lebensleitende Grundannahmen geht es um die Frage warum der Bildungsgegenstand und welcher Aspekt des Bildungsgegenstands für die Gesellschaft und deren Kultur bedeutsam war und ist. Leitfrage ist: Welchen Sinn haben die Inhalte für die menschliche Existenz im Allgemeinen und Besonderen?
Den Themenkomplex um die berliner Mauer ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen sowie der Weltgeschichte, da sie zunächst als Symbol der Trennung Deutschlands und der Trennung der Welt in zwei Blockmächte diente und der Mauerfall ein Symbol der Wiedervereinigung Deutschlands und der Auflösung der Blöcke ist. Auch heute sind die Auswirkungen der Trennung noch in der öffentlichen Diskussion wie sich beispielsweise in der Medienberichterstattung, die noch häufig die Kategorien 'Ossi' und 'Wessi' auftut, veranschaulichen lässt. Auch im gesellschaftlichen Diskurs ist dieses Thema immer noch sehr emotional geladen.
Dimension 3 - Elementare Erfahrungen
In der Dimension 'Elementare Erfahrungen' geht es um die Frage, welchen individuellen Bezug der oder die einzelne Lernende zum Gegenstand hat. Leitfrage ist: Welche Bedeutung hat der Gegenstand für den einzelnen Schüler? (FIXE Riegert quelle)
In Berlin ist die Mauer ein in vielfacher Hinsicht omnipräsentes Thema. Jede Familie die zur Mauerzeit in Berlin lebte hat "ihre" Erfahrung mit der Mauer gemacht, vermutlich werden diese auch noch an die jüngeren Mitglieder weitergegeben. Mauerreste und Überreste der Ost- Westteilung sind immer noch präsent im Stadtbild. Zudem haben Kinder mit einem Migrationshintergrund während ihrer eigenen - oder der der Eltern - vermutlich Erfahrung mit dem Thema "Grenze" gemacht.
Für die Ermittlung der individuellen Bedeutung für jede einzelne Schülerin und jeden einzelnen Schüler ist eine gute Kommunikation bei der Planung grundlegend. Bei Schülerinnen und Schülern im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und speziell bei schwer behinderten ist dies nicht trivial. Eine gute Beziehung, unterstützende Maßnahmen(UK) sowie genügend Zeit sind häufig notwendig um eine gute Kommunikation herzustellen.
FIXME: "Dies war bei unserem Projekt leider nicht möglich." diskutieren
Dimension 4 - Elementare Zugänge
Um einen elementaren Zugang zum Bildungsgegenstand zu ermöglichen, soll an individuelle entwicklungspsychologische Voraussetzungen der Lernenden angeknüpft werden. Den Lernenden sollen lebensgeschichtliche und entwicklungspsychologische Zugänge ermöglicht werden. Leitfrage ist: Welche individuellen entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der Adressaten muss ich berücksichtigen? (Riegert)
Um diesen Vorraussetzung während der Vorbereitung annäherungsweise kennenzulernen erstellten einen Fragebogen für die Lehrkräfte, anhand dessen wir uns einen Überblick verschaffen wollten. Dieses Vorgehen ermöglichte nicht ausreichend, die individuellen Zugänge der Schülerinnen und Schüler zu ermitteln. Dafür wäre ein tiefergehendes, methodisch fundiertes Kennenlernen der Schülerinnen und Schüler notwendig.
Da die Schule in Berlin lag, war der lebensweltliche Bezug zum Thema einfach herzustellen. Wir sind mit den Schülerinnen und Schülern zur Gedenkstätte der Berliner Mauer gefahren und bereiteten als Lernangebot Interviews mit den Lehrerinnen und Lehrern vor, die ihre Geschichte um die Berliner Mauer erzählten. Dieses Vorgehen ermöglichte jedoch nicht, den individuellen entwicklungspsychologischen Voraussetzungen jedes einzelnen Adressaten gerecht zu werden.
Dimension 5 - Elementare Vermittlungswege
Es wird nach Methoden und Vermittlungswegen, unter Einbeziehung der anderen Dimensionen, gesucht. Die Frage nach dem Wie.
Als Vermittlungswege wählten wir szenische Theaterstücke, Frontalunterricht mit differenzierter Einzelarbeit, Veranschaulichungen am Modell, eine Exkursion, Ritualisierung der Tagesabläufe, Strukturierung des Projekts anhand von Stundenplänen und einer Zeitleiste als ein durch die 3 Tage begleitendes Element, ein Rollenspiel mit Wachmännern und DDR BürgerInnen und BRD BürgerInnen. Unsere Methodenauswahl war stark beeinflusst von dem Wunsch, Individuen in einer großen Gruppe gerecht zu werden.
Dabei haben wir uns oft gefragt ob die elementaren Vermittlungswege einen Rückschluss auf die elementaren Strukturen und auch den dazugehörigen Gegenstand ermöglichen
Fazit
Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sollen nicht von Bildungsinhalten der allgemeinbildenden Schulen ausgeschlossen werden. Die Elementarisierung mit der wir uns im Rahmen dieses Projektes beschäftigten, bietet ein umsetzbares Konzept für diesen Bildungsauftrag. Bei Planung, Durchführung und Reflektion des Projektes sind wir, wie oben geschildert, auf einige Fragen und Schwierigkeiten gestoßen.
Immer wieder stellten wir uns die Frage, ob wir den Schülerinnen und Schülern wirklich das vermitteln konnten, was wir wollten. Kann das Gefühl des „getrennt Seins“ in einer Unterrichtssituation wirklich vermittelt werden? Besonders bei den szenischen Spielen hatten die meisten Schülerinnen und Schüler viel Spaß. Unklar ist, ob unsere Intention auch ankam.
Bezüglich der Elementarisierung als solcher möchten wir folgende Schwierigkeiten erläutern. Eine Frage, beschäftigte uns das Projekt über. So ist es für uns nachvollziehbar, wie wir vom Thema „Berliner Mauer“ zur Wäscheleine und Bettlaken gekommen sind, welche die Aula in zwei Hälften teilten, um den Schülerinnen und Schülern das „getrennt Sein“ zu verdeutlichen. Gelingt den Schülerinnen und Schülern jedoch der Umkehrschluss? Ist bei unseren elementarisierten Unterrichtsgegenständen das eigentliche Thema noch erkennbar? Oder sehen die Schülerinnen und Schüler bloß noch die Wäscheleine und die Bettlaken. Dieses Problematik betrifft alle elementarisierten Gegenstände. Die Frage also, ob der elementarisierte Unterrichtsgegenstand das Thema noch abzubilden vermag, bleibt leider offen.
Besteht ein Konsens allen Schülerinnen und Schülern alles zu lehren, gehören auch die Inhalte des historischen Lernens dazu. Nur dadurch kann das Recht auf Bildung, also formale und materiale Bildung, für alle Schülerinnen und Schüler verwirklicht werden.
